Eine Autobahnbrücke muss nicht immer neu gebaut werden, um zukunftsfähiger zu werden.

Manchmal liegt die bessere Lösung darin, den Bestand präzise zu verstehen und ihn mit möglichst geringem Eingriff gezielt zu ertüchtigen.
Beim Bauwerk BW 299a an der A9 am Bindlacher Berg stand genau diese Frage im Raum:
Wie kann ein bestehender Spannbetonüberbau verstärkt und gleichzeitig abgedichtet werden, ohne hohe zusätzliche Lasten in das Bauwerk einzubringen?
Die gewählte Lösung war in Deutschland für eine Autobahnbrücke ein Pilotprojekt:
Ein direkt befahrenes Topping aus ultrahochfestem Beton, kurz UHFB.
Dafür wurden der bestehende Fahrbahnbelag und die konventionelle Abdichtung zurückgebaut,
der Betonüberbau durch Hochdruckwasserstrahlen vorbereitet und eine vergleichsweise
dünne UHFB-Schicht im Verbund aufgebracht.


Diese Schicht übernimmt gleich mehrere Funktionen:
Sie verstärkt den bestehenden Überbau.
Sie ersetzt die klassische Abdichtung.
Und sie wird nach entsprechender Oberflächenbearbeitung direkt befahren.
Was auf den ersten Blick nach einer schlanken technischen Lösung klingt, ist in der Umsetzung hoch anspruchsvoll.
Denn in Deutschland lag für diese Anwendung kein eingeführtes Regelwerk vor. Die Maßnahme erforderte daher eine Zustimmung im Einzelfall.
Unsere Rolle bestand darin, das Projekt betontechnologisch und gutachterlich zu begleiten.
Wir haben u. a. bestehende Regelwerke und Richtlinienansätze verglichen, die Materialeigenschaften des UHFB bewertet,
die erweiterten Erstprüfungen und QS-Maßnahmen eingeordnet, ein Probefeld vor Ort begleitet und die Einbauetappen
sowie das anschließende Grinding gutachterlich begleitet. Zusätzlich wurden Multiringelektroden in der Verbundzone zwischen Altbeton
und UHFB installiert, um die Dichtigkeit des UHFB-Toppings langfristig kontrollieren zu können.

Materialverhalten, Prüfungen und
Qualitätssicherung mussten
entsprechend präzise eingeordnet
werden.
Der entscheidende Punkt ist:
Ein leistungsfähiges Material allein macht noch keine tragfähige Lösung.
Erst wenn Material, Untergrund, Verbund, Einbau, Oberfläche, Qualitätssicherung und Monitoring als zusammenhängendes System verstanden werden,
wird aus einer innovativen Idee eine belastbare Entscheidung.
BW 299a zeigt damit etwas, das für viele Bestandsbauwerke relevant wird:
Die Zukunft der Infrastruktur liegt nicht nur im Neubau.
Sie liegt auch in präzisen, wissenschaftlich abgesicherten Lösungen, die vorhandene Substanz länger nutzbar machen.
Ausführlicher ist das Projekt in der Fachveröffentlichung „Ertüchtigung und Abdichtung einer vorgespannten Autobahnbrücke mit UHFB“ in der Zeitschrift Beton-
und Stahlbetonbau vom Ernst & Sohn Verlag beschrieben.
Autoren: Dipl.-Ing. Dipl.-Ing. Dr. techn. Michael Mayer, Dr.-Ing. Ulli Heinlein, Dipl.-Ing. Dr. techn. Michael Reichel, Dr.-Ing. Angelika Schießl-Pecka und Chantal Gaidzik M.Sc.
DOI
Vielen Dank an unseren Auftraggeber Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Nordbayern | Außenstelle Bayreuth sowie an die beteiligten Projektpartner:
Ingenieurbüro Schulze & Rank – Entwurfs- und Ausschreibungsplanung
KHP Leipzig – Beratung in der Entwurfs- und Ausführungsplanung sowie Prüfung der Entwurfs- und Ausführungsplanung
TU Graz – Gutachten zur ZiE und weiterführende Bauherrenberatung in der Entwurfs- und Ausführungsplanung