„Ich lebe zwar allein“, sagt die Bewohnerin, „aber ich bin nicht allein.“

Dieser Satz aus einem SZ-Artikel über die Olympia-Pressestadt, in München ist uns hängen geblieben.
Denn er beschreibt etwas, das in der Diskussion über wieder aus der Mode gekommene Wohnhochhäuser
bzw. großmaßstäbliche Wohnquatiere von deren Bewohnern oft anders gesehen wird als von Außenstehenden:
Diese Gebäude sind weit mehr als reine Großkonstruktionen.
Sie sind qualitätvolle Lebensräume, Nachbarschaften und Orte mit Geschichte und Alltag.

Seit über 50 Jahren leben Menschen in den Hochhäusern der ehemaligen „Olympia-Pressestadt“.
Mit Blick über München. Mit gemeinsamen Fluren, Aufzügen und Balkonen und großzügigen Freiflächen.
Mit Erinnerungen, Routinen und Biografien.

Gleichzeitig zeigt das Gebäude heute sehr deutlich die Herausforderungen seiner Zeit.
Die Unterkünfte für Journalisten entstand Anfang der 1970er Jahre überwiegend in Fertigteilbauweise.
Energetische Anforderungen spielten damals keine Rolle. Auch die Nutzungsdauer bis heute und weiter in die Zukunft war ursprünglich so nicht vorgesehen.
Genau darin liegt aktuell die Aufgabe: Wie lässt sich ein solches Bauwerk technisch sinnvoll weiterentwickeln,
ohne vorschnell seine Substanz infrage zu stellen und unter Berücksichtigung des Ensembleschutzes
als Teil der olympischen Anlagen der so prägenden Olympiade in München 1972.
SGS begleitet derzeit die frühen Untersuchungs- und Planungsphasen zur Instandsetzung der Olympia-Pressestadt.
Die Herausforderung: Umfangreiche Maßnahmen sind unausweichlich.
Gleichzeitig bedeuten sie für viele Bewohner erhebliche finanzielle Belastungen. Deshalb braucht es keine maximalen Eingriffe,
sondern präzise Entscheidungen.
Ziel ist es, Instandsetzungskonzepte zu entwickeln, deren Umfang sich am tatsächlichen Bedarf orientiert,
und die die Restnutzungsdauer des Bauwerks gleichzeitig wieder über Jahrzehnte sichern können.
Denn nachhaltiger Substanzerhalt bedeutet, Bauwerke technisch zu verstehen und dabei die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, die in ihnen leben.